Um die Akzeptanz für grundwasserschonende Bewirtschaftungsverfahren oder erweiterte Fruchtfolgen zu erhöhen, haben sich Demonstrationsversuche als besonders geeignet erwiesen. Mit einfachen Streifenversuchen kann z.B. das Potential der natürlichen Bodenfruchtbarkeit demonstriert, stickstoffextensive Kulturen bzw. Fruchtfolgen vorgestellt, aber auch Effekte der integrierten Produktion (verminderter Pestizideinsatz oder Erosionsschutz) demonstriert werden. Der Besuch solcher Demonstrationsflächen erlaubt eine aktive Diskussion und ggf. auch Weiterentwicklung von grundwasserschutzorientierten Maßnahmen.

 

 

Direktsaat von Raps in Ackerbohnenstoppel

 

Fragestellung

Wie groß ist die Reduktion von Herbst Nmin-Werten die durch eine Fruchtfolgeumstellung erzielt werden kann? Was ist bei der Umstellung zu beachten?

 

Einleitung

In den letzten 10 Jahren ist eine Häufung von Frühjahrstrockenheiten, vermehrtem Sommerregen und einem sonnigen und mildem Herbstwetter, das bis in den Dezember reicht; zu verzeichnen. Die Winter waren häufig mild und eher trocken.

Die Zusatzberatung muss auf diese verlängerte Vegetationsperiode reagieren. Im letzten Jahr zeigte sich, dass Landwirte, die den normalerweise richtigen Termin Ende August wählten, einen Fehler machten. Die alte Regel „Saatbeet muss vor Saattermin“ gehen, wurde nicht beachtet und so verzögerte der nasse Boden den Rapsaufgang, so dass viele Flächen aufgrund von Schneckenfrass umgebrochen werden mussten. Rapsflächen, die unter besseren Bodenbedingungen Anfang bis Mitte September bestellt wurden, entwickelten sich schneller und waren gesünder.

Somit muss man feststellen, dass der bisher feststehende Termin für die Rapsaussaat durchaus nach hinten verschoben werden kann.

Andererseits brauchen Ackerbohnen als Sommerung angebaut eine lange Zeit um zu reifen, und werden so häufig erst Ende August gedroschen. Unter Pflug-, wie auch unter Mulchsaatbedingungen ist eine Nachfolge von Raps nach Ackerbohnen aufgrund des Aufwandes schwierig, da das Zeitfenster zwischen Ernte und Aussaat sehr klein ist. Allerdings gibt es vielfältige Gründe, die für eine Veränderung der Fruchtfolge sprechen. Raps sollte bis zum Vegetationsende 50 kg N aufnehmen, kann aber bis zu 100 kg N (einige von unseren Aufnahmen gehen von bis zu 130 kg N aus) aufnehmen. Ackerbohnenstroh  beinhaltet bis zu 50 kg N ohne dass man zusätzliche Mineralisierung aus dem Boden hinzuzieht. Ackerbohnen hinterlassen aufgrund ihrer kräftigen Wurzel einen garen Boden, der keine weitere Bearbeitung benötigt.

Hierin liegt eine große Chance die Vorfruchtwirkung der Ackerbohne mithilfe einer Direktsaat von Raps zu nutzen.

Dazu gehört eine der späten Aussaat angepasste Sorte wie KWS Hybrirock und eine Erhöhung der Saatstärke, um Ausfälle abzufedern.

 

Durchführung

Der Leitbetrieb in Dickershausen hatte zugestimmt den Anbauversuch durchzuführen. Kurz nach der Ernte wurde eine Nmin-Probe gezogen und eine Bonitur durchgeführt, inwiefern die Unkrautunterdrückung der Ackerbohne ausreichend war. Da dies nicht der Fall war, musste eine Herbizidmaßnahme (Einsatz von Glyphosat) nach Ernte erfolgen. Wäre die Unkrautunterdrückung ausreichend gewesen, hätte die Bekämpfung standardmäßig im Vorauflauf des Rapses erfolgen können. Die Bestellung des Rapses wurde mithilfe einer Direktsaatdrille durchgeführt. Dabei wurden die direktsaatfähige Drille (Horsch Pronto DC ) eines befreundeten Leitbetriebes und eine spezielle Direktsaatdrille der Firma „Auf der Landwehr“  benutzt. Als Vergleich diente eine Parzelle, die in „konventioneller“ Mulchsaat bestellt wurde. Somit ergaben sich 3 Varianten, die im weiteren Vegetationsverlauf begleitet wurden. Beim Drillen des Rapses ergab sich durch eine Einstellung der Horsch eine weitere Variante, siehe 5.2.3 und Abbildung 9. Um Ausfälle auszugleichen, wurde die Saatstärke auf 55 keimfähige Körner pro m² erhöht.

 

 

Abbildung 9: Feld 1400107 „Im Gönzen“ mit den 4 Varianten(A.d.L. steht für Auf der Landwehr)

 

Der Aufgang wurde durch die schlechte Verteilung des Ackerbohnenstrohs beim Drusch behindert. Die weitere Bestandesführung erfolgte wie bei Raps üblich mit Vorauflauf- und Nachauflaufspritzung, allerdings wurde die Bearbeitungsrichtung bei der Nachauflaufspritzung um 90° gedreht. Bei der Nachauflaufspritzung wurde eine Teilbreite der Spritze abgeschaltet, so dass ein Spritzfenster über alle Aussaatvarianten verblieb. So ergaben sich 8 Demovarianten siehe Tabelle 4.

Anfang Oktober wurde mit Toprex  ein Wachstumsregler mit Fungizidwirkung gespritzt.

 

Tabelle 4: Varianten der Rapsdirektsaatdemofläche

 

Beachtet wurde bei diesem Verfahren auch die Schneckenbekämpfung, da gute Bedingungen für Nacktschnecken in den übrig gebliebenen Ackerbohnenstängeln vermutet wurden. Ein starker Schneckenbestand bzw. Schäden an den Rapskeimlingen konnten aber nicht beobachtet werden.

Am Ende der Vegetationszeit erfolgte eine Auswertung des Aufwuchses über Gewichtsermittlung zusammen mit einer Herbst-Nmin-Probe.

 

Ergebnisse

Boden

Zum Zeitpunkt der Aussaat konnten schon die ersten Ergebnisse präsentiert werden. Auf-grund des Windschlages am 07.07.2015 war die Ackerbohne vorzeitig abgestorben und die Wärme und die Niederschläge hatten einen Nachernte-Nmin-Gehalt von 128 kg N/ha, siehe Tabelle 5, hinterlassen. Ein großer Teil des Nmin lag in Form von Ammonium vor, was auf eine starke Umsetzung im Boden hindeutet. Zusammen mit den verbliebenen Ackerbohnenstroh und der weiteren Mineralisierung durch Bodenbearbeitung war damit ein sehr großes Mineralisierungspotential siehe Tabelle 5 vorhanden.

Die Tabelle summiert Nmin und Norg aus Ackerbohnenstoppel und –blättern bis zu 183,5 kg Nmin/ha auf. Die Erntereste werden aber nicht unbedingt mineralisiert, da die Direktsaatvarianten viel weniger in den Boden eingreifen als die Mulchsaatvarianten.

 

Tabelle 5: Nachernte-Nmin, Stickstoffpotential und reale Herbst Nmin-Werte [kg/ha]

 

  Diese Befürchtungen erwiesen sich zum Glück als unbegründet. Am 08.12.2015 wurden auf der Demofläche Bodenproben genommen und Frischmasseschnitte durchgeführt. Dabei konnte die Variante MH- nicht mehr beprobt werden, da sie im vor allem im Vorgewende lag und somit ebenfalls im Nachauflauf behandelt wurde. Im Durchschnitt erbrachten die Varianten 20 kg Nmin/ha. Nur die Variante MH+ wies mit 38 kg Nmin einen hohen Wert, auf. Dieser Wert kann allerdings als Ausreißer angesehen werden.

 

Pflanze

Die einzelnen Varianten entwickelten sich anfangs langsam, besonders die Direktsaatvarianten standen licht. Allerdings berichteten interessierte Landwirte, dass die Direktsaatfläche DA anfangs eine deutlich dunklere Blattfarbe aufwies. Dagegen deckte besonders die MS+ und MS- Varianten das Feld bald vollständig.

Zugleich mit dem Raps gingen auch ausgefallene Ackerbohnen auf. Dies war so gedacht, da Ackerbohnenhülsen zur Reife sehr leicht aufplatzen. Die erste Herbizidbehandlung mit Butisan Gold überstanden die ausgefallenen Ackerbohnen ohne Schaden. Allerdings waren einige Unkräuter durchgekommen, v.a. Wegrauke (Sysimbrium officinale L.).

Am 03.10.2015 erfolgte eine Nachauflaufbehandlung mit Runway, dessen Wirkstoff Clopyralid führte auch zum Absterben der Ackerbohnen außer auf der ausgelassenen Teilbreite.

Insgesamt waren pro Quadratmeter 31 Rapspflanzen aufgegangen, wobei bei den Direkt-saatvarianten 33 Pflanzen/m² und bei den Mulchsaatvarianten 29,5 Pflanzen/m² vorgefunden wurden. Die Gewichte der Direktsaatvarianten lagen im Durchschnitt bei 0,88 kg/m² und bei den Mulchsaatvarianten bei 0,85 kg/m². Dies war nicht augenscheinlich, da die Mulchsaatvarianten viel dichter standen.

Betrachtet man die Rapsgewichte der Spritzvarianten (+ und -), dann weisen die „+Varianten“ über 1 kg Frischmasse/m² auf, während die „–Varianten“ nur 0,65 kg pro m² erzielten, obwohl hier im Durchschnitt 5 Pflanzen mehr standen. Dies kann durch die Konkurrenz der Ausfallbohnen erklärt werden. Außerdem fanden sich sehr viele Mäuselöcher unter den Ackerbohnen.

 

Tabelle 6: Bonitur 08.12.2015 Pflanzenanzahl und -gewicht

 

Bei den „–Varianten“ standen unterschiedlich viele Ackerbohnen (ø 21 Pflanzen mit 0,515 kg pro m²).

 

Fazit

Die Demofläche könnte als voller Erfolg gewertet werden, wenn man nur Wasserschutzargumente sieht, aber es gibt einige wichtige Anmerkungen die eine Fruchtfolgeumstellung auf „Raps nach Körnerleguminosen“ begleiten müssen.

Ein Landwirt, der dieses Verfahren anwendet, muss starke Nerven haben, eine möglicherweise späte Rapsaussaat durchzuführen. 2015 war die Ernte der Ackerbohne durch Stürme sehr früh, aber aufgrund der Glyphosatspritzung dauerte es 2 Wochen bis die Rapsaussaat erfolgen konnte. Der hohe Nachernte-Nmin-Wert dürfte nicht in jedem Jahr auftreten, allerdings wird die Herbstwitterung auch nicht in jedem Jahr eine solch gute Entwicklung zulassen.

Aus den vorliegenden Ergebnissen ergibt sich noch kein Vorteil für eine Aussaatmethode. Der Vorteil der schnelleren Aussaat über die Direktsaat wird durch den Zwang zur guten Strohverteilung wieder aufgehoben. Die Erhöhung der Saatstärke ist scheinbar nicht relevant. Die Mulchsaatvarianten könnten ohne weiteres mit 45 Körnern pro m² bestellt werden.

Ein wichtiger Aspekt betrifft die Nachauflaufspritzung. Das Herausnehmen des Ackerbohnenaufwuchses scheint keinen Einfluss auf den Herbst Nmin-Wert zu haben. In den 3 Variantenpaaren ist die höchste Differenz gerade einmal 3 kg Nmin/ha. Dies hat zum Vorteil, dass Landwirte empfohlene und bewährte Spritzkombinationen fortführen können. Die höheren Frischmassegewichte sprechen deutlich für ein Herausnehmen der Bohne vor Winter. Dies könnte natürlich auch durch frühe Fröste geschehen.

Der Versuch wird 2016 bis zur Ernte begleitet werden.


 

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